Top 10 Reitregionen in Jordanien

Jordanien ist das große Pferdeland der arabischen Welt. Das wüstengezüchtete Araberpferd der Beduinen — das asil — ist der genetische Grundbestand der modernen Araberzucht weltweit, und die Königlich Jordanischen Ställe pflegen Blutlinien von außergewöhnlicher Reinheit. Das Land ist kompakt: von der Hauptstadt Amman im Norden bis zum Rotmeerhafen Aqaba im Süden sind es rund 330 km, und fast jedes der folgenden Ziele liegt nur wenige Autostunden von einem dieser beiden Tore entfernt. Sandsteinwüsten, tiefe Wadis, Kiefernwälder und der Ritt nach Petra ergeben einige der atmosphärischsten Reiterfahrungen der Welt. Alle Stationen auf der Karte.
Ein Wort zur Reisezeit vorweg: Jordanien hat zwei echte Reitsaisons. Der Frühling, etwa März bis Mai, bringt Wildblumen ins Hochland und milde Wüstentage. Der Herbst, etwa Oktober bis November, ist das zweite Fenster, mit stabilem Wetter und warmen, aber erträglichen Nachmittagen. Das Wüsteninnere ist im Juli und August zum Reiten wirklich gefährlich — Tageshöchstwerte im Wadi Rum überschreiten 40 °C — der Sommer ist also für alles südlich oder östlich des Hochlands zu meiden. Winternächte fallen in der Wüste dagegen nahe an den Gefrierpunkt, weshalb Beduinen-Camps mit dicken Decken und Feuer arbeiten.
1. Wadi Rum
Die Sandstein- und Granitwüste südlich von Aqaba — Landschaft von Lawrence von Arabien — ist eines der großen Wüstenreitziele der Welt. Als UNESCO-Welterbe ist Rum ein Schutzgebiet aus aufragenden Jebels, engen Siqs und roten Dünen und liegt etwa eine Autostunde nördlich des Flughafens Aqaba. Mehrere Anbieter wie Wadi Rum Horses betreiben Mehrtages-Beduinen-Camps auf Araberpferden, die für Hitze und Untergrund gezüchtet sind. Oktober bis April ist das praktische Fenster; die monumentalen Felsformationen und die Nächte unter unverdunkeltem Himmel sind so einprägsam wie das Reiten selbst.
2. Petra-Anritt
Mehrtagestouren verbinden Wadi Rum mit Petra über das Hochland und die historischen Hinterwege der Nabatäer, jener Karawanenhändler, die die Stadt um das erste Jahrhundert v. Chr. in den Fels schlugen. Der klassische kurze Ritt führt vom Besucherbereich hinab zum Siq, der 1,2 km langen Schlucht, die sich zum Schatzhaus (Al-Khazneh) öffnet — Pferde gehören traditionell zum Petra-Eingang, die tieferen Monumente erreicht man jedoch zu Fuß. Der Anritt von Süden über Land ist der große Auftakt: eine allmähliche Entdeckung der rosaroten Stadt statt des üblichen Drehkreuzes. Oktober bis April.
3. Dana-Biosphärenreservat
Das Dana-Reservat in Mitteljordanien ist das größte des Landes und fällt vom Hochplateau nahe 1.500 m durch Sandsteincanyons hinab zum Jordangraben. Es kombiniert Berg-, Wadi- und Wüstengelände auf engem Raum und ist damit einer der wenigen Orte, an denen mehrere Klima- und Vegetationszonen in Tagesetappen zu Pferd durchquert werden können. Mehrere Anbieter führen Mehrtagesprogramme ab dem Dorf Dana. Am besten im Frühling (März–Mai) und Herbst (Oktober–November).
4. Königliche Ställe, Amman
Die Königlich Jordanischen Ställe pflegen eines der weltweit wichtigsten Araber-Zuchtprogramme, gegründet unter dem haschemitischen Königshaus und der Erhaltung der asil-Wüstenlinien gewidmet. Besuche und Ritte werden auf Anfrage arrangiert; die Arabian Horse Society of Jordan stellt Kontakte her. Für Zuchtinteressierte ist dies eine von wenigen globalen Adressen, die man gesehen haben sollte — im Rang vergleichbar mit Janów Podlaski in Polen und Bábolna in Ungarn. Die Ställe liegen am Rand von Amman, eine leichte Ergänzung zu Beginn oder Ende der Reise.
5. Wadi Mujib
Das Mujib-Reservat am Ostufer des Toten Meeres ist das tiefstgelegene Naturreservat der Erde und sinkt auf rund 400 m unter dem Meeresspiegel. Es bietet dramatisches Canyon-Wadi-Reiten durch eine Landschaft aus wassergeformtem Sandstein. Dies ist ausschließlich ein Ziel für Spezialanbieter: Gelände, Wasserstände und Hitze verlangen erfahrenes Urteil, und es ist kein Routineprogramm. Oktober bis April.
6. Nordwälder, Ajloun
Die Kiefern- und Eichenwälder von Ajloun im Norden — grün, hügelig und völlig anders als die Wüste — bieten kühleres Reiten und eine Seite Jordaniens, die sich die meisten Besucher nie vorstellen. Die Hügel rund um die Burg Ajloun aus dem 12. Jahrhundert, errichtet in der Zeit Saladins, bieten schattige Waldwege. Da das Klima mediterran und nicht wüstenhaft ist, läuft das Reitfenster hier entgegengesetzt zum Süden: April bis Oktober, wenn das Hochland am angenehmsten ist.
7. Madaba und Königsstraße
Die historische Königsstraße südlich der Mosaikstadt Madaba ist eine der ältesten durchgehend genutzten Routen der Welt und durchzieht die Kreuzritterburglandschaft Richtung Kerak. Mehrtagesritte folgen ihr durch ein Land aus Oliventerrassen und dramatischen Grabenrändern, mit der großen Burg Kerak — einer der besterhaltenen Kreuzfahrerfestungen des Nahen Ostens — als natürlicher Übernachtungsetappe. Oktober bis April.
8. Östliche Wüste (Badia)
Die Basaltwüste östlich von Amman, die Badia, ist Jordaniens härtestes Land: schwarzer Vulkanstein, weite Horizonte und kaum touristische Infrastruktur. Sie ist nur in kühlen Monaten und nur auf Spezialtouren reitbar und eignet sich für erfahrene Reiter, die auf harten Untergrund und autarke Logistik vorbereitet sind. Der Lohn ist eine Landschaft, die sehr wenige Reisende je sehen, samt den über die Steppe verstreuten Wüstenschlössern (qusur). November bis März.
9. Hippodrom von Jerash
Jerash nördlich von Amman bewahrt eine der besterhaltenen römischen Provinzstädte der Welt, und sein restauriertes Hippodrom inszeniert regelmäßig Wagenrennen und römische Kavallerie-Vorführungen vor dem originalen Steingestühl. Es ist kein Geländereiten, sondern ein lebendiges Reiterspektakel auf echter archäologischer Bühne — für historisch Interessierte ohne wirkliche Entsprechung. Vorführungen meist wöchentlich von April bis Oktober.
10. Totes Meer und Wadi Hasa
Mehrtagestouren verbinden hier den Abstieg zum Toten Meer, die Salzebene und die Erkundung des Wadi Hasa, eines wasserführenden Canyons, der nach Westen zum Graben schneidet. Die Höhenspanne gehört zum Reiz und zur Schwierigkeit: von rund 400 m unter dem Meeresspiegel am Toten Meer hinauf über 1.000 m im zentralen Gebirge, was das Reiten körperlich fordernd macht. Nur Spezialtouren; Oktober bis April.
Der asil-Araber
Der asil-Araber — der streng wüstengezüchtete Beduinenaraber — ist die Grundlage der modernen globalen Araberpopulation, einschließlich der Araber, die heute das FEI-Distanzreiten beherrschen. Über Jahrhunderte auf Gesundheit, Ausdauer und ausgeglichenes Temperament im härtesten Klima selektiert, ist der asil das Pferd in seiner Urform, bevor Jahrhunderte europäischer Zucht die breitere Rasse umformten. Echte asil-Linien sind über Asil Club und ähnliche Stellen dokumentiert, und Jordanien ist eines der Kernländer dieses Erbes.
Beduinen-Gastfreundschaft
Mehrtagestouren in Jordanien schließen echtes Beduinen-Camping ein — Ziegenhaarzelte, Mansaf (das Nationalgericht aus Lamm, Reis und fermentiertem Joghurt) und endlosen Kardamom-Tee, mit einem traditionellen Empfang, der dem Tourismus um Jahrtausende vorausgeht. Die Gastfreundschaft ist echt, nicht inszeniert: der Charakter des Anbieters, nicht die Größe einer kommerziellen Show, entscheidet über die Tiefe der Erfahrung. Ein kleines, beduinisch geführtes Camp wirkt fast immer echter als ein großes Pauschalangebot.
Buchung und Visum
Jordanien erlaubt für die meisten westlichen Pässe ein Visum bei Einreise, und der vor der Reise gekaufte Jordan Pass bündelt Visumgebühr mit Eintritt nach Petra und vielen weiteren Stätten — das lohnt sich zu prüfen. Für den Norden fliegt man nach Amman (Queen Alia International), für den Süden nach Aqaba (King Hussein International). Frühling und Herbst sind die Reitsaisons; der Sommer ist im Wüsteninneren brutal und zu meiden. Mehrtagesritte sollten drei bis sechs Monate im Voraus gebucht werden, da die guten Anbieter und die kühlen Termine früh ausgebucht sind.
Vom Lesen zum Planen
Die Weltkarte zeigt jeden hier erwähnten Ort, mit Fotos und Details nur einen Klick entfernt.